Interview: Industrie 4.0 – Wie geht’s weiter?

Interview mit Herrn Thomas Hösle von ELABO

Digitalisierung in der Industrie gilt nun als ein altes Thema. Welchen Blickwinkel haben Sie heute noch auf die sogenannte Industrie 4.0.

Das Besondere an Industrie 4.0 ist ja, dass der in 2011 geprägte Begriff nicht beschreibt, was schon geschehen ist – im Gegensatz zu den Vorgängerbegrifflichkeiten ! – sondern was noch umgesetzt werden soll.

Den Kern von Industrie 4.0 bilden aus meiner Sicht unverändert die technologischen Elemente wie Digitalisierung, Connectivity und Automatisierung. Mit deren Hilfe soll einerseits die operative Exzellenz in Industrieunternehmen gesteigert werden, andererseits sollen auch neue, digitale Geschäftsmodelle entstehen, getreu dem Motto „Uber yourself or you will be kodaked“.

Inzwischen sind Industrie 4.0-Anwendungen – insbesondere zur Steigerung der Effizienz und Qualität sowie zur Erhöhung der Arbeitsflexibilität – salonfähig und auch umgesetzt geworden, ohne aber bereits ein Endstadium erreicht zu haben. Wo es aus meiner Sicht noch deutlichen Nachholbedarf gibt, ist bei der Nutzung der Digitalisierung für neue Geschäftsmodelle, insbesondere bei datengetriebenen Geschäftsmodellen.

Inwieweit spielen die entstehenden Daten eine Rolle in ihren Wertschöpfungsketten? Wie werden diese in ihren Systemen genutzt? Und was wird zukünftig möglich werden?

Wir sind ein typisches Beispiel für einen zweigeteilten Ansatz. Als Anwender mit überwiegend individuellen und manuellen Tätigkeiten in der Kleinserie mit hoher Varianz stehen wir bei der Erfassung bzw. Nutzung von Daten in unserer eigenen Wertschöpfungskette erst an zarten Anfängen.

Mit unserer Fabriksoftware „ELUTION“ hingegen ermöglichen wir unseren Kunden die aktive Nutzung von Daten dank der Module „Smart Data“ (automatisierte Erfassung und Archivierung prozessbezogener Daten) sowie „Analyzer Tool“. Mit letzterem erhalten die Anwender eine transparente Dokumentation aller erfassten Wertschöpfungsschritte (z.B. in einer Montage), um darauf aufbauend – entweder mit menschlicher oder künstlicher Intelligenz – Optimierungen hinsichtlich Produktivität, Qualität und Kosten unter Vermeidung von Verschwendung (Lean-Prinzipien) zu veranlassen.

Im Sinne des PDCA-Kreislauf können dann die Umsetzungsergebnisse überprüft und gegebenfalls nachgeschärft werden.

Gehen Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz also doch Hand in Hand?

Wenn man unter Industrie 4.0 auch versteht, dass durch den Einsatz von Sensoren (Cyberphysische Systeme) systematisch relevante Daten gesammelt werden zur Verbesserung der operativen Exzellenz, dann ist dieser Schritt wie beim Eiskunstlauf der Pflichtteil. Die Kür besteht darin, über geeignete Algorithmen – sprich KI – diese Daten in Wissen zu transformieren, um Prozesse zu optimieren, Qualität zu erhöhen und Kosten zu reduzieren. Somit geht also Industrie 4.0. Hand in Hand mit der Künstlichen Intelligenz, die als nützliches Tool in der großen Werkzeugkiste der digitalen Transformation fungiert.

Was sind aktuell die wichtigsten Use-Cases die genau jetzt und noch im Jahr 2020 eine markante Rolle spielen werden?

Die wichtigsten Use-Cases bestehen aus unserer Sicht in einem Zweiklang. Es geht zum einen darum, deutlich früher und besser über potentielle Störfälle informiert zu werden. Hierzu dienen predictive und prescriptive-Lösungen, wo KI-Anwendungen einen hohen Nutzenbeitrag leisten. Zum anderen geht es aber auch darum, die time-to-repair im Störfall zu minimieren. Dank digitaler Störungsmanagement Werkzeuge können die Ausfallzeiten von Maschinen und Anlagen deutlich reduziert werden, ohne auf das Erfahrungswissen einzelner Mitarbeiter angewiesen zu sein. Über eine digitale Lebensakte der Maschinen und Anlagen werden relevante Daten systematisch archiviert und stehen dezentral für jeden Mitarbeiter zur Verfügung, um Störfälle rasch und effizient zu beheben.


Thomas Hösle präsentiert am 14. November 2019, dem zweiten Tag der Data Leader Days 2019, über „Systematische Datengenerierung auf dem Shopfloor“.

Tickets für die Konferenz finden Sie auf der offiziellen Startseite, unter www.dataleaderdays.com.